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Helene Weber Haus Aachen Kochkurs Bibel

Gudrun Lausberg schaut zu, wie Karin Drube Granatäpfel entkernt. Im Hintergrund wird eifrig gerührt und geköchelt.

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Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 11/2016

Aus dem Gemüsegarten Edens

Ein Kochkurs-Selbstversuch: Wie hat man zu Zeiten der Bibel gekocht und wie hat das geschmeckt?

Ist Ihnen schon mal aufgefallen, wie wichtig das Thema Essen in der Bibel ist? Da gibt es Speiseempfehlungen und Vorschriften, ist vom Essen mit anderen die Rede oder davon, welche Folgen der Appetit auf etwas haben kann: Man denke an Eva und der Baum der Erkenntnis oder Esau und das Linsengericht.

Spannend wäre ja zu wissen, wie das geschmeckt hat zu biblischen Zeiten, und wie die erwähnten Speisen zubereitet wurden, doch mit Originalrezepten ist die Bibel leider eher sparsam. So ist meine Neugier sofort geweckt, als ich die Ankündigung zu „Kochen wie zu biblischen Zeiten“, einem Kochabend im Stolberger Helene-Weber-Haus, lese.


Buntes und gesundes Zutaten-Stillleben

Die Idee hatte Steffi Sieger-Bücken, Gemeindereferentin in St. Peter und Paul Eschweiler. „Wir beschäftigen uns viel zu oft nur mit dem Kopf mit Dingen, statt sie mal mit allen Sinnen zu erleben“, erzählt sie, wie sie dazu gekommen ist, sich dem Buch der Bücher mal übers Riechen und Schmecken zu nähern. Unterstützt wird sie dabei von Heike Elhaddaoui, Referentin für Kochkurse am Helene-Weber-Haus. An einem Dienstagabend finden sich schließlich 13 gespannte Hobbyköche und -köchinnen in der großen Küche der Familienbildungsstätte zusammen.

Auf einer der Arbeitsplatten hat Heike Elhaddaoui die Zutaten des Abends aufgebaut. Ein buntes und gesundes Stillleben. Vieles ist vertraut: Honigmelone, Auberginen, Zucchini, Möhren, Walnüsse, getrocknete Feigen und auch Mehl und Honig gehörten damals wie heute auf den Speiseplan. Gewöhnungsbedürftiger sind da schon die vorgequollenen Weizenkörner, die sehr vollwertig ausschauen, die Granatäpfel (bei König Salomon übrigens auch als Dekoration sehr beliebt) oder die grünen Kräuter, die sich im Laufe des Abends als Brunnenkresse entpuppen.



So ganz bibeltreu geht es nicht zugange

Einige kennen sich bereits, kommen wie Initiatorin Steffi Sieger-Bücken aus Peter und Paul, andere sind neu in der Runde. Doch das ist schnell egal, beim gemeinsamen Schnippeln, Dünsten und Backen entsteht fast augenblicklich ein Küchen-Team-Gefühl. Beim Essen fühlt man sich dann schon fast unter Freunden. Doch der Reihe nach. „Wer macht was?“, lautet die erste entscheidende Frage des Abends.

Auf dem Bibel-Menü stehen: Gerstencremesuppe, Dattel-Walnuss-Brot, Granatapfel-Trauben-Salat mit Avocado, Salat aus Weizen, Zucchini und Honigmelonenbällchen, orientalischer Gemüseauflauf, Esaus Gemüsetopf mit Linsen, süße Kugeln sowie Feigenkuchen. Danach und nach dem Blick in die dazugehörigen Rezepte (überwiegend aus: Susanne Rieder. Kochen wie zu biblischen Zeiten. Gondrom Verlag, Bindlach 2005) ist klar, hier wird nicht hundertprozentig bibeltreu gekocht, sondern mit Zutaten, die zu der Zeit im Heiligen Land auch verwendet wurden, und in Anlehnung an die dort beschriebenen Speisevorschriften. Der Abend soll einen Eindruck vermitteln, wie es damals geschmeckt haben könnte – und Spaß machen. Weil Fastenzeit ist, sind alle Rezepte fleischlos. „Was aber auch sehr passend ist, da Fleisch etwas Besonderes war und nicht so oft auf den Tisch kam“, wie Steffi Sieger-Bücken erläutert. Heike Elhaddaoui ergänzt: „Außerdem war es eine sehr gesunde und vollwertige Küche mit viel Obst und Gemüse.“ Also, obwohl Tausende Jahre alt, voll im Trend.


Duft-Mix aus Zimt, Knoblauch und Honig

In den Zweier-Kochgrüppchen gilt es nun, die Zutaten für das jeweilige Rezept zu finden. „Hast du eine Ahnung, wie diese Kresse ausschaut?“ „Nee, fragen wir Heike.“ Was so etwas wie der Spruch des Abends wird. Mit ein wenig Nachhilfe haben meine Kochpartnerin Gudrun Lausberg und ich das benötigte Grünzeug identifiziert und geben uns mutig an unseren Salat. Schichten wir den tatsächlich so wie im Rezept? Ja, wenn schon, dann auch original. Nur die Menge erhöhen wir und mangels Melonenkugelausstecher macht Gudrun Stäbchen mit dem Apfelentkerner.

Auch an den anderen Arbeitsplatten wird geschält, geschnippelt, in den Schränken nach Schüsseln, Töpfen und Messern gesucht und mit viel Spaß gekocht und improvisiert: Wie geht dieser Backofen an? Hat jemand den Pfeffer gesehen? – Bald duftet es nach Knoblauch, Minze, Gerstensuppe, Zimt und warmem Honig. Wer kurz mal Luft hat, schaut den anderen in den Kochtopf. – Mhmm!

Während die ersten Gerichte  fertig sind und ganz stilecht auf orientalischem Steingut angerichtet werden, decken einige schon mal den Tisch im angrenzenden Speiseraum oder beginnen mit dem Abwasch all der Dinge, die die fröhliche Kochgruppe in Gebrauch hatte. Franz Claes sammelt schmutziges Besteck ein und erkundigt sich verwundert, ob es überhaupt noch saubere Löffel in den Schubladen gibt… Seine Frau kämpft mit der Konsistenz der süßen Kugeln. Die sind eher eine Paste als Kugeln und die Rezeptanweisung, sie in Honig zu tauchen und durch gemahlene Mandeln zu rollen, klingt mehr nach klebriger Sauerei als nach einer guten Idee. Am Ende kommt alles in die Masse, und es gibt Häufchen statt Kugeln. Was dem Genuss keinen Abbruch tut. „Die haben es kalorienmäßig bestimmt in sich, aber sie sind super-lecker“, schwärmt nicht nur Steffi Sieger-Bücken.


Geschmacklich und optisch ein Erfolg

Abschluss eines rundum gelungenen Küchenabends ist das gemeinsame Essen. Es wird probiert und kommentiert. So waren nicht nur die beiden Köchinnen des Weizensalats skeptisch, wie der wohl schmeckt. „Sehr lecker und frisch, das passt alles gut zusammen“, ist Gudrun zufrieden mit unserem Werk. Der Salat mit Granatapfel, Trauben und Avocado ist nicht nur geschmacklich gelungen, sondern auch farblich ein Hingucker. Bei Esaus Linsengericht kann der ein oder andere durchaus verstehen, warum der dafür sein Erstgeburtsrecht hergegeben hat. Die Bibel hat durchaus Kochbuchpotenzial.

 

Esaus Linsentopf

Zutaten: 2 Zwiebeln, 2 Knoblauchzehen, 2 Karotten, ¼ Sellerieknolle, 2 EL Olivenöl, ½ TL gemahlener Koriander, ½ TL gemahlener schwarzer Kümmel, 250 g rote Linsen, 900 ml Rinderbrühe, Salz, Pfeffer aus der Mühle, Rotweinessig, Petersilie zum Bestreuen.

Zwiebeln und Knoblauch häuten und fein hacken. Karotten und Sellerie putzen und würfeln. Alles bis auf den Knoblauch mit Koriander und Kümmel in Öl anbraten. Zwei- bis dreimal mit Wasser ablöschen und wieder einkochen lassen. Knoblauch, Linsen und Brühe zugeben, unterrühren und unter Rühren bei mittlerer Hitze 25–30 Minuten kochen, bis die Linsen weich sind. Mit Salz, Pfeffer und Essig abschmecken, anrichten und mit Petersilie bestreuen.


Von Andrea Thomas

Veröffentlicht am 10.03.2016

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