Büro der Regionaldekane für Aachen-Stadt und -Land
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Save-me-Kampagne wirbt für Verständnis für Flüchtlinge

Aus der Ausstellung „Heimat – vertraut und fremd“ in der Citykirche.

Vollbild

 
 

 

Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 02/2016

Einen ganz langen Atem fördern

Vertreter der „Save me“-Kampagne in der Städteregion werben um Verständnis für Flüchtlinge

„Unser Einsatz muss einen ganz langen Atem fördern, mit viel Wohlwollen für die schwierige Situation der Frauen, Männer und Kinder, die zu uns gekommen sind“, fordert Pfarrer Josef Voß aus Aachen mit Blick auf Flüchtlinge.

Um für diesen langen Atem zu werben, haben sich Voß, Dieter Spoo (Citykirche), Ingeborg Heck-Böckler (Amnesty International) und Martin Pier (Büro der Regionaldekane) gemeinsam an die Öffentlichkeit gewandt. Sie engagieren sich in der Städteregion im Rahmen der Kampagne „Save me – Aachen sagt Ja!“ für besonders schutzbedürftige Flüchtlinge. Mit Unterkunft und Verpflegung, sagt Voß, sei es nicht getan: „Ich erfahre, dass die Flüchtlinge zum einen sehr froh sind, weil sie gut aufgenommen werden. Zum anderen fühlen sie sich fremd. Sie kennen die Sprache nicht, die Mentalität nicht, die Umgebung nicht, sie kennen nichts und niemanden. Alles muss mühsam erlernt werden. Wir haben viele Ehrenamtler, die sich da super ins Zeug legen.“

Erreichen müsse man aber auch die, „die nicht immer die Sahneschnitten verspeisen können“. Die Geduld bei vielen dieser Menschen nehme ab, meint Voß. Da sei es wichtig, deutlich zu machen, dass unsere Situation nicht vergleichbar dramatisch und lebensgefährlich, entwurzelt und fremd sei.

 

Augenkontakt macht die Stimmung weicher

„Sich auf ganz normaler Ebene, nicht nur bei tollen Vorträgen und Theaterstücken zu treffen, das ist ganz, ganz wichtig“, weiß Ingeborg Heck-Böckler, und Dieter Spoo empfiehlt Augenkontakt zwischen Flüchtlingen und Einheimischen: „Wenn die Leute sich über ihre Ängste unterhalten, und der eine merkt, der andere ist ein Mensch wie ich – mit den gleichen Sorgen und Nöten, dann wird automatisch die Stimmung weicher.“

„Wir müssen noch mehr ins Denkgeschäft einsteigen“, wünscht sich Josef Voß mit Blick auf 2016. „Wie wird sich unsere Gesellschaft verändern? Wie können wir den Reichtum besser wahrnehmen, den die Flüchtlinge in unsere Gesellschaft bringen? Da müssen sich kluge Köpfe anstrengen, wie man das in der Öffentlichkeit präsentiert. Da kann auch innerkirchlich noch viel passieren.“ Eine Herausforderung, betont Dieter Spoo, seien die illegal eingereisten Flüchtlinge. „Die lassen sich nicht registrieren, kriegen kein Aufnahmegeld, leben in irgendwelchen Ecken, bei Freunden, bei Bekannten, unter Brücken. Die kommen oft hierher in die Citykirche, sind praktisch obdachlos, leben von dem Geld, das sie auf der Straße kriegen. Das sind nicht zehn oder 20, das sind hier in Aachen 300 oder 400 Leute, die so leben. Das sind Menschen in einer gefährlichen Situation, die eigentlich Hilfe brauchen.“ Genau wie die, sagt Spoo, die in ihrer Heimat Folter und andere fürchterliche Geschichten erlebt hätten. „Da ist unglaublich viel Lebenshilfe nötig, damit die hier überhaupt normal existieren, arbeiten und leben können.“


Von Paul Heesel

Veröffentlicht am 15.02.2016

 
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