Büro der Regionaldekane für Aachen-Stadt und -Land
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Büro der Regionaldekane
für die Regionen Aachen-Stadt und Aachen-Land

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Mein Name ist Maike Stöver Mehr

Einladung zum 16. Sommer-Ferien-Seminar 2016 im KI Aachen

9 Arbeitskreise am 18. + 19. August 2016 in der letzten vollständigen Schulferienwoche im KI Aachen Mehr

Unsere Forderung: Rückkehr zur Parität

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03.06.2016, 18:00

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03.06.2016, 18:00 - 05.06.2016, 10:00

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04.06.2016, 14:30 - 18:00

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06.06.2016, 16:45 - 21:00

Businessetikette

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Umfrage: Was wird aus unserer Willkommenskultur gegenüber Flüchtlingen?

Deutschland wie Europa am Scheideweg: Ziehen wir die Grenzzäune wieder hoch oder bleiben wir den Grundwerten einer offenen, pluralen, ja auch christlich geprägten, solidarischen Gesellschaft treu?

Vollbild

 
 

 

Aus der KirchenZeitung, Ausgabe 04/2016

Mehr Verlass auf Helfer als auf Politik

Umfrage: Wie geht es mit der Willkommenskultur bei uns weiter?

Unter dem Eindruck der kriminellen Ereignisse von Köln hat die Debatte um den richtigen Kurs in der Flüchtlingsfrage an Tempo und Schärfe zugenommen.

Wo man auch hinhört und hinschaut, gibt es lauten Streit. Die Stimmen, die Brücken bauen, sind leise. Kommt nun die Willkommenskultur unter die Räder? Die KirchenZeitung hörte sich unter Leuten um, die sich für Flüchtlinge engagieren.

Dass die Stimmung so aufgeheizt ist, wundert Anna Klein vom Projekt „Aachener Hände“ erst einmal gar nicht: „Das Thema der sexuellen Übergriffe gegenüber Frauen und die Flüchtlingsfrage sind hoch emotionalisiert,“ sagt sie. Das berge die Gefahr, „dass es zu vorschnellen Verurteilungen, Erklärungen und Konsequenzen kommt, die mit den tatsächlichen Ereignissen nichts mehr zu tun haben und auch überhaupt nicht hilfreich sind“. Vor diesem Hintergrund strebt Holger Brantin, Sprecher des Aachener Katholikenrats, eine Versachlichung der Debatte an: „Wir reden im Ergebnis über Taten eines Bruchteils der vielen hunderttausend Flüchtlinge, die bei uns Zuflucht suchen.“

Das kriminelle Handeln dieser Minderheit verstört allerdings so manchen Befragten: „Es macht mich traurig, dass offensichtlich Menschen, die Schutz vor Verfolgung, Krieg, Hunger bei uns suchen, denen Leid zufügen, die mittelbar und unmittelbar diesen Schutz gewähren“, meint zum Beispiel der Dürener Flüchtlingsseelsorger Martin Schlicht. Und der Franziskaner-Bruder Wolfgang Mauritz aus Vossenack bekennt: „Die Vorfälle haben mich geschockt und sehr nachdenklich gestimmt. Mir ist klar geworden, dass wir unsere Kultur, unsere Gebräuche und Lebensweise Menschen anderer Herkunft sehr früh deutlich machen, erklären müssen. Jeder Mensch hat eine Würde, die es zu achten gilt.“

Mancher Befragte hat schon länger befürchtet oder gar erwartet, dass es zu solchen irritierenden Ereignissen kommt. „In jeder Gesellschaft wohnen unterschiedliche Menschen,“ spricht sich etwa Altfrid Spinrath vom Diözesanrat der Katholiken, gegen eine naive Idealisierung von Flüchtlingen aus: „Ich halte nicht alle Flüchtlinge für einfache und brave Menschen.“ Schlicht ergänzt: „Nicht alle Menschen, die zu uns kommen, teilen den Wertekonsens unserer demokratischen Gesellschaft.“

Was geschieht, wenn sich jemand an diese Maxime unseres Zusammenlebens nicht hält? Mauritz: „Wer dies nicht einhält, hat hier keine Zukunft – dies gilt für Deutsche und für Menschen, die zu uns geflohen sind.“ Was nun? Gesetze verschärfen, Zäune hochziehen, Menschen in die Bedrohung abschieben, vor der sie geflohen sind? Die Politik überschlägt sich nach Ansicht der Befragten mit nicht hilfreichen Schnellschüssen. Martin Pier vom Aachener Büro der Regionaldekane findet klare Worte: „Aus meiner Sicht schlachtet die politische Debatte die Vorfälle populistisch aus. Endlich scheint ein Grund gefunden, um von der ,Wir schaffen das‘-Haltung abrücken zu dürfen.“

 

Einer kurzen Verunsicherung folgt nun ein großes „Jetzt erst recht“

Pier sieht eine große Gefahr in dieser, wie er sagt, „Schaumschlägerei“: „Das Geschrei nach mehr Repressalien wird nichts nützen, sondern Ablehnung und Integrationshemmnisse nur mehren, weil es Vorurteile schürt und stützt.“ Klein resümiert: „So löst man weder die Probleme noch hilft man den Opfern.“ Der Aktionismus der Parteien führt Schlicht zu folgendem Schluss: „Das bürgerschaftliche und ehrenamtliche Engagement ist in seiner Substanz zuverlässiger und beständiger als die Politik. Unabhängig aller Gesetzesnovellen sind Menschen in unserer Gesellschaft bereit, Menschen in Not zu helfen.“

Und daran ändern wird sich nach den Wahrnehmungen der meisten Befragten nichts: „Es gibt bedeutend mehr klar denkende, hilfsbereite Menschen als Unruhestifter und Kleinkarierte“, sagt zum Beispiel Mauritz. „Die Menschen können sehr wohl zwischen Kriegsflüchtlingen und eingereisten aggressiven und gewaltbereiten Kriminellen unterscheiden“, präzisiert Richard Schmitt, Flüchtlingshelfer aus St. Katharina Aachen-Forst. Und Thomas Kley vom Diözesancaritasverband betont: „Kein Flüchtlingshelfer beendet wegen der Vorfälle in Köln sein Engagement.“ Das bestätigen die Eindrücke der Befragten, die neben einer gewissen, meist vorübergehenden Verunsicherung einen „Jetzt erst recht“-Ruck unter Flüchtlingshelfern beobachtet haben. „Sie wollen sich ihr Engagement nicht in Frage stellen lassen“, erzählt Brantin.

Nicht Köln, sondern die politische Debatte übt Druck auf die Helfer aus. Thomas Guntermann, Krefelder Flüchtlingsseelsorger, sagt: „Einige fürchten, dass Rechtspopulisten Aufwind bekommen und zerstören, was wir gerade gemeinsam aufbauen.“ Bei den Flüchtlingen erleben die Befragten Erschrecken, Scham, Ärger und Wut angesichts der kriminellen Taten von Köln. „Die Flüchtlinge, mit denen die Helfer in Kontakt stehen, verurteilen die Straftaten genauso wie wir“, berichtet Kley. „In Gesprächen distanzieren sie sich vehement von diesen Exzessen“, hat Mauritz beobachtet. Guntermann erzählt: „Einige Männer sagen: ,Jetzt stehen wir alle, die wir anders aussehen, unter Beobachtung.‘ Das ist schlimm. Es gibt Frauen, die sagen: ,Es ist gut, dass über das Thema gesprochen wird.‘ Das finde ich richtig.“ Schmitt wiederum bilanziert: „Es ist bisher zu keinen negativen Vorfällen in der Begegnung mit der Bevölkerung gekommen. Daher hat sich nach anfänglicher Nervosität die Lage entspannt und beruhigt.“

Was können wir Christen in dieser Situation tun? „Weitermachen wie bisher“, bringt Schmitt es auf den Punkt. „Wir dürfen uns nicht von unserem Weg abbringen lassen“, sagt auch Brantin. Es brauche einen langen Atem, bekundet Spinrath: „Die Aufnahme von so vielen Menschen in unsere Gesellschaft wird nicht ohne Störungen und Schwierigkeiten verlaufen.“ Das zu begleiten, erfordert persönlichen Einsatz, der auch unbequem ist. Guntermann sagt zugespitzt: „Nur Kirchensteuer zahlen, sonntags eine schöne Predigt hören, einen netten Bericht in der KirchenZeitung lesen und darüber reden, dass man eigentlich helfen müsste – das finde ich nicht ausreichend für einen Getauften.“ Einen Kontrapunkt zur aufgeheizten politischen Debatte zu setzen, sehen viele ebenfalls als Christenpflicht. Mauritz erzählt, dass er bei jedem Gespräch dazwischen geht, wenn über Flüchtlinge negativ verallgemeinernd gesprochen wird. Und sagt: „Wir Christen brauchen uns mit unserer Haltung des Willkommens nicht zu verstecken. Wir sollten unseren Mitchristen Mut machen, weiter zur Solidarität mit Flüchtlingen zu stehen. Beispiel geben ist da die beste Antwort.“

 

Zitiert

"Wir reden über Taten eines Bruchteils der vielen hunderttausend Flüchtlinge, die bei uns Zuflucht suchen."

Holger Brantin

 

"Die Aufnahme von so vielen Menschen in unsere Gesellschaft wird nicht ohne Störungen und Schwierigkeiten verlaufen."

Altfrid Spinrath


Von Thomas Hohenschue

Veröffentlicht am 22.01.2016

 
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